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Lesung mit Videos, Bildern und Musik

Konstantin P. Kavafis:
Brichst du auf gen Ithaka,
wünsch dir eine lange Reise...


es liest Wolfgang Schulz



Bühne: Markus Czygan

Technik/Licht: Bernd Albrecht,
Jürgen Paulus, Uwe Bergfelder



sonntagsumdrei:
Beginn 15 Uhr

April 2008
So 06.

 

 

 


Kavakis


kav

Brichst du auf gen Ithaka,
wünsch dir eine lange Reise...

Gedichte und Texte



Brichst du auf gen Ithaka, wünsch dir eine lange Reise...

Gedichte und Texte

 

Der griechische Poet Konstantinos Kavafis, einer der berühmtesten Wegbereiter der modernen Lyrik Griechenlands, ist hierzulande zu Unrecht nur wenig bekannt; er zählt jedoch zu den bedeutendsten Dichtern seines Heimatlandes und neben Fernando Pessoa, Ezra Pound und Franz Kafka (alle von Wolfgang Schulz in Inszenierungen, Lesungen, Videoinstallationen in den letzten Jahren) vorgestellt zu den wichtigsten Vertretern der modernen europäischen Dichtung überhaupt, von dem sich gar ein Bertolt Brecht inspirieren ließ. Zu seinen Bewunderern zählten E.M. Forster, Lawrence Durrell und Filippo Marinetti

 

Geboren wurde er 1863 in Alexandria/Ägypten. Nachdem sein Vater 1870 gestorben war, zog die Familie nach Liverpool, kehrte jedoch im Jahre 1877, nach dem Konkurs der Exportfirma Cavafys & Co, nach Alexandria zurück. Kaváfis nahm eine kaufmännische Ausbildung an einer griechischen Höheren Handelsschule auf; in diesen Jahren wird er sich wohl auch seiner Homosexualität bewusst geworden sein, die Teile des späteren lyrischen Werks prägt. 1892 wurde er als Beamter des Ministeriums für Wasserwirtschaft angestellt, eine Stelle, die er 1922 aufgibt.

 

Unterbrochen von einem längeren Aufenthalt in Konstantinopel sowie von zwei Reisen nach Paris und London und von drei kurzen Aufenthalten in Athen verbringt Kavafis die Jahre bis zu seinem Tode in der griechischen Diaspora Alexandrias, einer Stadt griechischen Ursprungs. Sein Selbstverständnis hat er mit den Worten charakterisiert: Ich bin kein Hellene, ich bin kein Grieche. Ich bin hellenisch. Nach erfolgloser Behandlung des 1932 in Athen diagnostizierten Rachenkrebses stirbt Kavafis an seinem Geburtstag im Jahre 1933 in Alexandria.

Eine erste Ausgabe seiner Lyrik erschien erst 1935.

 

 Kavafis berühmtes Gedicht Ithaka wird auf deutsch, griechisch und auf englisch von Sean O'Connery vorgestellt !

 

 

Konstantin P. Kavafis

(Kwnstantίνος Πέτρου Καβάφης)

(1863-1933)

 

Ithaka

(1911)

 Brichst du auf gen Ithaka,

wünsch dir eine lange Reise,

 voll von Abenteuer und Entdeckungen.

 Lästrygonen und Kyklopen,

 den zornentbrannten Poseidon fürchte nicht,

 sie alle wirst auf deiner Fahrt du niemals finden,

 wär auch dein Denken hochgemut,

rührt' auch ein himmlisch-göttlich Regen dein ganzes Wesen an.

Lästrygonen und Kyklopen,

 dem wilden Poseidon wirst du nicht begegnen,

es sei denn, du trügest sie in deiner Seele mit dir,

es sei denn, deine Seele widerspiegelte sie vor dir.

 

Wünsch dir eine lange Reise.

der sommerlichen Morgen mögen viele sein,

 da du (o, welch Vergnügen! o, welche Freude!)

einfährst in noch nie gesehene Häfen;

Halte bei den Handelsplätzen der Phönizier

und kauf dir schöne Dinge:

Perlmutter und Korallen, Bernstein, Ebenholz,

allerlei erregende Essenzen,

kauf reichlich von den Wohlgerüchen, so viel du kannst.

Besuch auch viele Städte in Ägypten,

und lern und bilde dich, und lern bei jenen, die schon wissen.

 

Behalte immer Ithaka im Sinn.

Dort anzukommen, ist dir vorbestimmt.

Doch eile nicht, nichts drängt auf deiner Reise dich.

Besser ist's, sie dauert viele Jahre.

Und schließlich alt geworden, leg auf der Insel an,

reich nun an alledem, was auf der Reise du erworben,

und nicht erwartest du, daß Ithaka dich reich macht.

 

Ithaka bescherte dir die wunderbare Reise.

Ohne Ithaka hätt'st du sie niemals unternommen.

nichts hat sie dir nun mehr zu geben.

 

Und findest du es ärmlich, Ithaka, es hat dich nicht betrogen.

So weise, wie du wurdest, voll der Erfahrung,

wirst du schon verstanden haben, was all die Ithakas bedeuten.