DAS UNGLEICHE BRÜDER
kain erwarb ein schloss,
abel ‘s erdgeschoss.
kain fuhr mit dem bus,
abel ging zu fuss.
kain die nacht durchwachte,
abel ‘s tagwerk machte.
kain schlief mit den schwestern,
abel war von gestern.
kain ass hirsch und has‘,
abel kaute gras.
kain trank bier und wein,
abel wässerlein.
kain zog an zigarren,
abel schwere karren.
kain nahm kokain,
abel sah man knien.
kain zu lachen wusste,
abel weinen musste.
kain ward alt, uralt,
abel starb schon bald.
(© Gerhard Rühm, entstanden: 2001,
aus: unveröffentlichtem Manuskript)
Über Gerhard Rühm
geboren 1930 in Wien, studierte Klavier und Komposition an der Wiener Musikakademie, danach privat bei Josef Matthias Hauer, und beschäftigte sich während eines längeren Aufenthalts im Libanon mit orientalischerMusik. Mitte der fünfziger Jahre war er Mitbegründer der „Wiener Gruppe“ (Achleitner, Artmann, Bayer, Rühm,Wiener), der 1997 eine grosse Retrospektive in der „Biennale di Venezia“ ausgerichtet wurde. Rühm wurde zuerst durch Buchveröffentlichungen experimenteller Poesie bekannt. Von Anfang an aber intermedial orientiert, entwickelte er Dichtung vor allem in Grenzbereichen weiter - sowohl zur bildenden Kunst (visuelle Poesie, gestische und konzeptionelle Zeichnungen, Fotomontagen, Buchobjekte) als auch zur Musik (auditive Poesie als Sprech- und Tonbandtexte, Chansons, Melodramen, Vokalensembles, Ton-Dichtungen).Sein Wirkungsbereich umfasst literarische, musikalische und bildnerische Publikationen ( u.a. bei Rowohlt,. Luchterhand, Hanser, Residenz, Droschl), Vorträge, Konzerte, Ausstellungen, Theateraufführungen und Rundfunkproduktionen (wichtige Beiträge zum „Neuen Hörspiel“, Karl- Sczuka-Preis 1977, Hörspielpreis der Kriegsblinden 1983). Österreichischer Würdigungspreis für Literatur 1976, Preis der Stadt Wien 1984, Grosser Österreichischer Staatspreis 1991, seit 1999 Vizepräsident des Österreichischen Kunstsenats. Rühm lehrte 1972-1995 als Professor an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg sowie mehrmals an der Internationalen Sommerakademie für bildende Kunst in Salzburg. Er lebt in Köln und Wien. Seit 2005 erscheinen seine „Gesammelten Werke“ im Parthas Verlag Berlin.
Über Monika Lichtenfeld
Geboren 1938 in Düsseldorf. Studium der Musikwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte in Köln, Florenz und Wien. 1963 Promotion mit einer Arbeit über Josef Matthias Hauer. Forschungsstipendien und Studienaufenthalte in Frankreich und England. Seit 1959 tätig als Musikpublizistin (Schwerpunkt 19. und 20. Jahrhundert) , Übersetzerin und Herausgebe-rin (u.a. der „Gesammelten Schriften“ von György Ligeti, 2 Bde., Mainz: Schott 2007). Mitarbeiterin von von Zeitschriften, Lexika und Enzyklopä-dien im Inund Ausland. Mitglied zahlreicher Jurys (u.a. Gustav Mahler- Kompositionspreis, Karl-Sczuka-Preis für Hörspiel und Radiokunst). Mitbegründein der internationalen Tagungen „Musik in dieser Zeit“ in Boswil/ Schweiz und der „Kölner Gesellschaft für Neue Musik“. Seit Mitte der 1980er Jahre auch aktiv als Sprecherin und Interpretin experimenteller Poesie.
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kain erwarb ein schloss,
abel ‘s erdgeschoss.
kain fuhr mit dem bus,
abel ging zu fuss.
kain die nacht durchwachte,
abel ‘s tagwerk machte.
kain schlief mit den schwestern,
abel war von gestern.
kain ass hirsch und has‘,
abel kaute gras.
kain trank bier und wein,
abel wässerlein.
kain zog an zigarren,
abel schwere karren.
kain nahm kokain,
abel sah man knien.
kain zu lachen wusste,
abel weinen musste.
kain ward alt, uralt,
abel starb schon bald.
(© Gerhard Rühm, entstanden: 2001,
aus: unveröffentlichtem Manuskript)
Über Gerhard Rühm
geboren 1930 in Wien, studierte Klavier und Komposition an der Wiener Musikakademie, danach privat bei Josef Matthias Hauer, und beschäftigte sich während eines längeren Aufenthalts im Libanon mit orientalischerMusik. Mitte der fünfziger Jahre war er Mitbegründer der „Wiener Gruppe“ (Achleitner, Artmann, Bayer, Rühm,Wiener), der 1997 eine grosse Retrospektive in der „Biennale di Venezia“ ausgerichtet wurde. Rühm wurde zuerst durch Buchveröffentlichungen experimenteller Poesie bekannt. Von Anfang an aber intermedial orientiert, entwickelte er Dichtung vor allem in Grenzbereichen weiter - sowohl zur bildenden Kunst (visuelle Poesie, gestische und konzeptionelle Zeichnungen, Fotomontagen, Buchobjekte) als auch zur Musik (auditive Poesie als Sprech- und Tonbandtexte, Chansons, Melodramen, Vokalensembles, Ton-Dichtungen).Sein Wirkungsbereich umfasst literarische, musikalische und bildnerische Publikationen ( u.a. bei Rowohlt,. Luchterhand, Hanser, Residenz, Droschl), Vorträge, Konzerte, Ausstellungen, Theateraufführungen und Rundfunkproduktionen (wichtige Beiträge zum „Neuen Hörspiel“, Karl- Sczuka-Preis 1977, Hörspielpreis der Kriegsblinden 1983). Österreichischer Würdigungspreis für Literatur 1976, Preis der Stadt Wien 1984, Grosser Österreichischer Staatspreis 1991, seit 1999 Vizepräsident des Österreichischen Kunstsenats. Rühm lehrte 1972-1995 als Professor an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg sowie mehrmals an der Internationalen Sommerakademie für bildende Kunst in Salzburg. Er lebt in Köln und Wien. Seit 2005 erscheinen seine „Gesammelten Werke“ im Parthas Verlag Berlin.
Über Monika Lichtenfeld
Geboren 1938 in Düsseldorf. Studium der Musikwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte in Köln, Florenz und Wien. 1963 Promotion mit einer Arbeit über Josef Matthias Hauer. Forschungsstipendien und Studienaufenthalte in Frankreich und England. Seit 1959 tätig als Musikpublizistin (Schwerpunkt 19. und 20. Jahrhundert) , Übersetzerin und Herausgebe-rin (u.a. der „Gesammelten Schriften“ von György Ligeti, 2 Bde., Mainz: Schott 2007). Mitarbeiterin von von Zeitschriften, Lexika und Enzyklopä-dien im Inund Ausland. Mitglied zahlreicher Jurys (u.a. Gustav Mahler- Kompositionspreis, Karl-Sczuka-Preis für Hörspiel und Radiokunst). Mitbegründein der internationalen Tagungen „Musik in dieser Zeit“ in Boswil/ Schweiz und der „Kölner Gesellschaft für Neue Musik“. Seit Mitte der 1980er Jahre auch aktiv als Sprecherin und Interpretin experimenteller Poesie.
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