Loriot - Die Ente bleibt draußen

worttaktik 1

Wörter gebügelt, umge-
boxt, aus vielerlei windun-
gen gerade gebogen. ins

licht gerückt, wenn einer

sich bückt. in der backenta-

sche vergessen, kein stromstoß

kein malstrom unter

der zunge. zurechtgeschnit-

ten mit der blechschere,

unregelmäßige krümmun-

gen aus kleinsten geraden

mit scharfschartigem rand.


(aus: franz mon, fallen stellen, frankfurt 1981)


NEIDLOSE UMRUNDUNG

wie der montag war das loch
wie der dienstag war die ritze
wie der mittwoch war der buckel
wie der donner war das schwämmchen
wie der freitag war das lämmchen
wie der samstag war der mastdarm
wie der sonntag war madonna
wie der montag war verflixt

(© beim Verlag und beim Autoren Verlag Klaus Ramm, Spenge 1999 Audio production: 2001 M.Mechner, literaturWerkstatt berlin)


Über Franz Mon


geb. 6. Mai 1926 in Frankfurt am Main. Mon, eigentlich: Franz Löffelholz, studierte nach Kriegsende studierte er Germanistik, Geschichte und Philosophie in Frankfurt am Main sowie in Freiburg im Breisgau und promovierte. Ab 1956 arbeitete er als Verlagslektor in Frankfurt. 1962 gründete Franz Mon den Typos-Verlag. Bis 1991 war er als Lektor in einem Frankfurter Schulbuchverlag tätig. Als Schriftsteller betätigte er seit Anfang der fünfziger Jahre. Nachdem einige seiner Texte in avantgardistischen Zeitschriften wie Cobra, profile oder meta veröffentlicht wurden, erschien 1959 sein erster Band Artikulationen. 1960 gab er zusammen mit Walter Höllerer und Manfred de la Motte die Anthologie movens heraus. 1963 gründete Mon zusammen mit Ernst Jandl den Typos-Verlag. Mon lehrte bis 2000 im Bereich Grafik/Design in Offenbach, Kassel und Karlsruhe. Er lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Franz Mon ist einer der bedeutendsten Dichter der internationalen Konkreten Poesie.

Insbesondere durch seine theoretischen Schriften wie Zur Poesie der Fläche, Texte in den Zwischenräumen (beide 1966) oder Buchstabenkonstellationen (1967) leistete er wichtige Beiträge zur Etablierung der Konkreten Poesie. Mon setzt sich vor allem dafür ein, die Fläche als Textelement sichtbar und wahrnehmbar zu machen, und sie nicht nur als unwichtigen Texthintergrund zu betrachten (bzw. zu ignorieren)

Dementsprechend setzen sich seine Gedichte aus räumlich angeordneten Buchstaben zusammen, die nicht immer auch zu ganzen Wörtern nebeneinandergestellt werden können. Mon nutzt die Varianten der Typographie, um das Augenmerk auf die Buchstaben an sich zu lenken. Die Texte erscheinen häufigextrem reduziert, was deutlich wird, wenn man sich Mons Postulat zu eigen macht: es kommt nicht auf die menge der inhalte an sondern auf das verhältnis von zeichenaufwand und realisierbaren beziehungen (aus:Buchstabenkonstellationen)

Autoren wie Mon zielten und zielen auf das Durchbrechen aller Gestaltungskonventionen hin. 1970 schreib Mon hierzu: Die naive Übereinstimmung von Wort und Sache, Ausdruck und Wirklichkeit ist zerschlissen durch den tatsächlichen Gebrauch der Sprache wie durch die unerhörte Kluft zwischen dem Faktischen dieser Realität und den Worten, die damit fertig werden sollen.


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