Kurt Schwitters - Ursonate
Dedesnn nn rrrrrr heißt nicht Dresden und rakete heißt nicht Rakete. Alle sinnhaft besetzten Deutungsversuche der „Ursonate“ von Kurt Schwitters schlagen fehl. Im gesamtkünstlerischen Amalgam von Musik und Sprache dominiert der Konnex von Unsinn und Sinnlichkeit. Kurt Schwitters schrieb ein Jahrzehnt lang (1922-32) an dem Musikkunstwerk aus Urlauten, dessen Hauptthema fümms bö wo tää zää uu, pög‘iff er einem Plakatgedicht seines Dada-Freundes Raoul Hausmann entnahm. Nach allen Regeln der klassischen Kompositionslehre hat er dabei klangvolle Sprachfetzen in das Schema der Sonatenhauptsatzform gefügt. Bis in minimale musikalische Strukturen sind herkömmliche Kompositionsmuster mit Sprechmaterial gefüllt, das konzeptuell zwar jegliche Sprachbedeutung negiert, diese dem Zuhörer jedoch immer wieder als Irrlicht aufscheinen lässt. Durch den Prozeß der Entwertung der Sprache zum reinen Material verschafft Schwitters ihr quasi-erotische Qualität. Lustvoll wird das Behagen an der Kultur der Bedeutung demontiert. Der orale Reiz setzt sich im Ohr fest und regt zu selbsttätiger Nachahmung an. Der differenzierte Rhythmus der gesamten Komposition, abstraktes Ordnungsprinzip und fütt-fütt der Nähmaschine, verstärkt die elementare Wirkung der Sonate...
(Text: Logo-Verlag Eric Erfurth)
(Die Aufnahme der Ursonate nach der Originalpartitur Merz 10 wurde im Jahr 2006 eingespielt.Die CD-Audio, Dauer 52:14, ist erschienen im LOGO VERLAG Eric Erfurth, D-63785 Obernburg am Main)
Über Kurt Schwitters
Maler, Bildhauer, Dichter, *Hannover 20. 6. 1887, Ambleside (County Cumbria) 8. 1. 1948; Mitarbeiter an der expressionistischen Zeitschrift »Der Sturm«; 1923-32 Herausgeber der dadaistischen Zeitschrift "Merz". Emigrierte 1935 (endgültig 1937) nach Norwegen, 1940 nach Großbritannien. Seine dadaistische künstlerische und literarische Arbeit beruht auf der Collagetechnik, die er unter dem Begriff Merzkunst zusammenfasste (Merzdichtung, Merzmalerei beziehungsweise Merzbilder und Merzbauten). Er gilt als Vorläufer der konkreten Dichtung. Berühmt wurde sein Gedichtband »Anna Blume« (1919).
Über Arne Dechow
Jahrgang 1968, studierte nach dem Abitur und Zivildienst Philosophie, Musik- und Literaturwissenschaft in Karlsruhe. Parallel dazu arbeitete er zwei Jahre als Regieassistent am Badischen Staatstheater. Engagements als Schauspieler und Regisseur, unter anderem am Stadttheater Würzburg, dem Badischen Staatstheater und der Oper Bonn. Regiearbeiten von ihm waren daneben an den Staatstheatern Kassel und Wiesbaden und diversen Festivals zu sehen.Außerdem betreibt er eine Agentur für kulturelle Interventionen, ist Kreativdirektor einer Fernsehproduktion und leitet ein Gefängnistheater-Projekt an der JVA-Wiesbaden.
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