Wer nicht kämpft hat schon verloren
Zum Stück

"Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr des Faschisten in der Maske des Faschisten, sondern vor dessen Rückkehr in der Maske des Demokraten."

(Theodor W. Adorno)

Ein Kaleidoskop, wie es im Untertitel heißt, ist diese Collage insofern, als sie als Sinnbilder wechselnder Eindrücke unserer Wendezeit, in literarischer und dokumentarischer Form, als Anklage und Totenklage, als griechisch-homerisches, wüstes, anarchistisches Traumbild, in dem die Freiheitskämpfer als Helden der Geschichte und die Dichter als ihre Zeugen auftreten, als Kampfchor der Schwarzen Blöcke in den Metropolen gegen Ausbeutung und Unterdrückung, als ideologische Eloge des Systems mit dem zynischen, selbstbildnishaften Gesang des Herrn KAPUTTAL, als Lied der gehetzten, ausgepowerten und schikanierten Hartz-IV-ler, als wütender Diskurs dieser Überflüssigen sowie ihrer Kampfplädoyers für Aufstand und Revolution, als Monolog und Befürwortung der revolutionären Gewalt durch die Brecht‘sche Johanna der Schlachthöfe und als Kampf, der mit der RAF begann und in prophetischem Bild weitergeführt wird als Untergrundkampf von der Jugend Europas, mit dem Ziel des kommenden Aufstands, gipfelnd in der Zeile des Schlußliedes: Dem Volke alle Macht!

Bunte Bilder eines Kaleidoskops unserer Gegenwart von Aufständen und Kämpfen der Unterdrückten wie von den brutalen und gewissenlosen Angriffen der herrschenden Klasse auf diese. Aber wie man das Kaleidoskop auch dreht und wendet, immer ist da der Wille nach Befreiung von des Fesseln des Systems zu spüren. Deshalb der Titel:

Wer nicht kämpft, hat schon verloren.


"In einer Zeit des Universalbetruges ist, die Wahrheit zu sagen, eine revolutionäre Tat."
(George Orwell)



"Das Wesen des Faschismus ist es, ein System für schützenswerter zu halten,
als die darin lebenden Menschen."

(Theodor Adorno)


Der Kapitalismus ist ein System von Abhängigkeiten, die von innen nach außen, von außen nach innen, von oben nach unten und von unten nach oben gehen. Alles ist abhängig, alles ist gefesselt. Kapitalismus ist ein Zustand der Welt und der Seele. Das sagte Kafka, der die Welt des beginnenden 20.Jahrhunderts als Alptraum schilderte.

Kapitalismus ist eine zur Profitmaximierung programmierte, selbstreferentielle Maschine , die unbeirrt und seelenlos ihren Weg zu Ende gehen muß, sie läßt sich nicht reformieren, keine ihrer „Auswüchse“ lassen sich unter Kontrolle bringen, sie ist ein Monstrum. Aufrufe, Appelle, Mahnungen etc. kümmern die Maschine nicht, im Gegenteil: Hunger, Kriege, Ausbeutung und Unterdrückung sind ihre Schmiermittel, und auch, wenn es schon altersschwach  in ihren Lagern kreischt und lärmt, am Ende reißt sie alle und alles in ihren Untergang mit. 
    
Ihre Maschinenwarte, die Anwälte und Vertreter  des kapitalistischen Systems, werden mit Klauen und mit Zähnen dafür sorgen, daß nichts, aber auch gar nichts diesen Ablauf stören kann. Millionen Tote sind bei den kommenden Kämpfen schon jetzt eingeplant. Und nur diejenigen können möglichweise noch die Welt „retten“, die den Kapitalismus und seine Maschinenwarte in die Luft jagen. Wer die Gesetze des Kapitalismus nicht studieren will, sich weigert, sie zu begreifen, ist wie einer, dem die Schlinge um den Hals liegt, der aber mit seinem Sprung wartet, bis die Maschine in die Luft fliegt. 

Das ökonomische System des Kapitalismus ist ein im tiefsten Grunde faschistisches System.- Die Maschine hat ihren ersten konsequenten, modernen Verfechter in Hitler gehabt. Wenn hier im Westen Freiheit gepredigt und beschworen wird, dann ist es damit immer die Freiheit der herrschenden Klasse gemeint, und damit gleichzeitig Ausbeutung und Unterdrückung, aber wie, fragte Pandit Nehru (von 1947 bis 1964 erster Ministerpräsident Indiens), „wie sollte man glauben, ein Volk für immer zu unterdrücken, das auf seiner Freiheit besteht und auch bereit ist, den Preis dafür zu zahlen?...Solange die Herrschaft eines Landes über ein anderes andauert oder die Ausbeutung einer Klasse durch eine andere, wird es unaufhörlich Versuche geben, die bestehenden Verhältnisse umzustürzen. Den Frieden wird niemals der Imperialismus und Kapitalismus bringen“.

HARTZ IV Poem

Mein Heute
gleicht dem Gestern.
Das Morgen wird verdrängt.
Was bleibt zum Leben?
Frühstück
Toast mit Marmelade
Grüner Tee
Frische Brötchen sind nicht drin.
Tageszeitung lesen
im Schaukasten der Redaktion.
Abo kostet drei Tage essen.
Morgen hat die Tafel geöffnet.

Traurig
Die sonst strahlenden
Augen meiner Frau.
Ihr Leuchten
Behördlicherseits
durch Arroganz und Willkür
gelöscht.
Mitarbeiter der Arge
verschanzen sich hinter
Arbeitsanweisungen und SGB.
Ängstlich um ihre nach Vorschrift
gefalteten Ärsche besorgt.
Von Securityschergen abgeschirmt
machen sie sich täglich
schuldig als Handlanger
des Unrechtssystems.
Ihr hattet die Wahl.
Jetzt habt ihr Angst.
Mit Recht.

Wut
im Bauch.
Farblose Politikervisagen
künden mit übelriechendem Atem
soziale Ausgewogenheit.
Ignorant verlogen versaut.
Muss kotzen.
Das letzte Paar Schuhe
ist durch.
Mein persönlicher Jakobsweg
fordert Tribut.
Hartz IV Empfänger
haben keine Lobby
saufen eh nur.
Prost.

Jahrzehnte
stumm funktioniert.
Als Mitglied der
großen Legebatterie
harmlos vertrottelt
Kapital und Blutsauger
versorgt.
Als Fäkalie der Gesellschaft
auf den Misthaufen politischer Unfähigkeit
geworfen. Entsorgt.
Was wir
dir nicht geben
brauchst du nicht.
Es reicht!
Die Straße ruft!
Jetzt gnade euch Gott"


(Ronald Hard)


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