Friedrich Dürrenmatt: Die Physiker
„Ich kenne Salomo von Angesicht zu Angesicht - nackt und stinkend kauert er in meinem Zimmer als der arme König der Wahrheit, und seine Psalmen sind schrecklich!“
(Möbius; 1. Akt)

In dem von der renommierten Irrenärztin Dr. Mathilde von Zahnd geleiteten Sanatorium leben drei ehemals berühmte Physiker – Verrückte, die jeweils ein Liebesverhältnis mit einer wesentlich jüngeren Krankenschwester haben. Einer von Ihnen glaubt er sei Newton und kleidet sich im Stil des 18. Jahrhunderts. Der zweite hält sich für Einstein und spielt unaufhörlich Geige, der dritte und genialste von ihnen hat apokalyptische Visionen von König Salomo. Zwei Krankenschwestern werden ermordet. Ein Inspektor versteht die Welt nicht mehr. Wer ist wahnsinnig, wer genial und wer beides? Alles scheint relativ.Nachdem ein dritter Mord geschehen ist, beginnen alle Beteiligten nach und nach ihr düsteres Geheimnis zu lüften – bis zur schlimmstmöglichen Wendung.
Was als schwarze Kriminalkomödie mit slapstick- und klamaukhaften Elementen beginnt, kippt nachund nach in eine bitterböse Politfarce. Mit seiner 1962 als Kommentar zum atomaren Wettrüsten der Weltmächte geschriebenen Komödie Die Physiker gelang Dürrenmatt ein perfekt konstruierter Klassiker des modernen Theaters, der zu den meistgespielten Stücken an deutschsprachigen Bühnen zählt. Durch den virtuosen Stilmix verschiedener Genres, vom Krimi über die Liebesgesschichte bis hin zur absurden Groteske, seine immer wieder überraschenden Wendungen und die im Zeitalter von Globalisierung und Genmanipulation immer noch politisch hochaktuelle Thematik ist das Spiel mit Sein und Schein auch im Einsteinjahr 2005 gleichermaßen amüsant wie diskussionsanregend.

„Unsere Welt hat ebenso zur Groteske geführt, wie zur Atombombe. … Wir können das Tragische aus der Komödie heraus erzielen, hervorbringen als einen schrecklichen Moment, als einen sich öffnende Abgrund… Wer so aus dem letzten Loch pfeift wie wir alle, kann nur noch Komödien verstehen.“
(Friedrich Dürrenmatt)
   

Pressestimmen:


"Mit Oskar Vogel, Hebert Ludwig und Achim Beck hat die Inszenierung drei Schauspieler, die als Erzkomödianten im zweiten Teil auch mühelos den Sprung ins Ernsthafte schaffen und Dürrenmatts Intention, aus der Komödie für einen Moment das Tragische aufscheinen zu lassen, höchst plausibel sichtbar machen."
(Main-Post)

"Stets nahe an Dürrenmatts Vorlage bleibend bewältigt Hermann Drexlers Inszenierung grandios die schwierige Gratwanderung zwischen Komik, Groteske und bitterböser Politfarce.
Die Schauspielleistungen des Ensembles beeindrucken durch größtmögliche Hingabe. Riesenapplaus! Unbedingt anschauen!"

(Leporello)


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