Dario Fo: Bezahlt wird nicht
Dieses Werk des italienischen Nobelpreisträgers (1997) Dario Fo, das eine turbulente Mischung aus Farce und Posse, Politklamauk und Boulevardkomödie ist, hat die gesellschaftlichen Verhältnisse Italiens in den 70er Jahren zum Inhalt, ist heute noch besonders aktuell auch für Deutschland, ja für alle EU-Staaten: Das Thema sind die allgegenwärtigen Preissteigerungen.

Alles beginnt eines Morgens in einem Supermarkt. Die Preise sind plötzlich um ein Vielfaches gestiegen. Die Frauen, die zum Einkaufen kommen, protestieren. Sie bestehen darauf, nur die Preise vom Vortag zu bezahlen. Das lehnt natürlich der Leiter des Supermarkts kategorisch ab. Der Streit und die Wortwechsel zwischen ihm und den Frauen führen dazu, dass der Filialleiter die Polikzei rufen will, aber jemand hat die Telefonschnur aus der Wand gerissen. Die Frauen räumen nun die Regale unter den Rufen Bezahlt wird nicht! Bezahlt wird nicht! leer. Die resolute Antonia schleppt so viele Taschen wie sie kann hinaus und trifft auf der Straße ihre Freundin Margarita, die ihr beim Schleppen der Taschen hilft. Antonias Mann Giovanni, ein ängstlicher auf Ordnung bedachter kommunistischer Arbeiter, würde einen solchen Diebstahl niemals akzeptieren. Er kommt von der Schicht nach Hause in dem Augenblick, wo Antonia die Lebensmittel gerade teils unter dem Bett, teils in Schränken verstaut hat und da Margarita bereit ist, einen Teil der geklauten Sachen unter dem Mantel versteckt mit zu sich nach Hause zu nehmen. Von diesem Augenblick an überstürzen sich die Ereignisse und entwickeln sich Schlag auf Schlag zu einer turbulenten Komödie. Nach und nach verwickeln sich darin Luigi, der Mann von Margarita, ein Polizist, ein Carabinieri, ein Begräbnisunternehmer und der alte Vater.
Wie immer nimmt sich Dario Fo ganz einfacher und alltäglicher Themen an, die die Gesellschaft, uns alle betreffen. Dabei benutzt er die Satire als eine Waffe des Volkes, weil sie für ihn der höchste Ausdruck des Zweifels, die wichtigste Hilfe der Vernunft ist. Außerdem meint er: Menschen, die nicht lachen können, sind gefährlich.

Wegen des Vorwurfs, zu illegalen Aktionen und zum Widerstand gegen den Staat aufgerufen zu haben, musste sich Dario Fo vor Gericht verantworten, aber er wurde freigesprochen.

"...der in Nachfolge der mittelalterlichen Gaukler die Macht geißelt und die Würde der Schwachen und Gedemütigten wiederaufrichtet."



Über den Autor:
Dario Fo wurde am 24. März 1926 in Sangiano, einem Dorf am Lago Maggiore, geboren. Sein Vater war Eisenbahner, seine Mutter Bäuerin. Schon frühzeitig geriet Dario Fo in Verbindung mit dem Volkstheater und der Erzählkunst. Fo studierte zunächst Kunst und Architektur in Mailand.
Seine Familie war im antifaschistischen Widerstand aktiv und er half seinem Vater, Flüchtlinge und Deserteure der Alliierten in die Schweiz zu schmuggeln. Er selber konnte sich erfolgreich einer Rekrutierung durch die Truppen von Salo entziehen.
1952 hatte er sein Debüt als Schauspieler am Teatro Odeon in Mailand. 1954 heiratet Fo Franca Rame, mit der er später die Theatergruppe „Compagnia Fo-Rame“ gründet, deren Komödienaufführungen im In- und Ausland große Beachtung fanden. 1959 gründete das Ehepaar ihr eigenes Ensemble, mit dem es zahlreiche Tourneen durch ganz Italien unternahm. Seinen internationalen Durchbruch erzielte er 1960 mit Gli arcangeli non giocano a flipper ("Die Erzengel spielen nicht Flipper"). 1962 übernahm er die Moderation der Fernsehsendung "Canzonissima", die jedoch nach zwei Jahren wegen ihres "Skandalprogramms" wieder abgesetzt wurde. Fo durfte nicht mehr im italienischen Fernsehen auftreten.
Dario Fo, das "Enfant Terrible" der italienischen Theaterszene, ließ keine Gelegenheit aus, sich mit dem Staat und seinen Institutionen und auch dem Vatikan anzulegen ( die Vatikanzeitung l’Osservatore Romano zu Fos Nobelpreis: "Nach so viel Verstand nun ein Hanswurst." ). Immer wieder wurde er in Prozesse verwickelt, mehrmals sogar auf offener Bühne verhaftet. 1980 verweigerten die USA ihm die Einreise zu einem Gastspiel, weil er der Häftlings-Hilfsorganisation "Soccorso Rosso" angehörte.
Als ihm am 9. Oktober 1997 der Nobelpreis für Literatur zugesprochen wurde reagierte Fo mit den Worten: "Ich bin bestürzt."


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