sonntagsumdrei_Rimbaud
"Der Poet macht sich sehend durch eine lange, gewaltige und überlegte Entregelung aller Sinne. Alle Arten von Liebe, Leiden, Wahnsinn; er sucht sich selbst, er erschöpft alle Giftwirkungen in sich, um nur die Quintessenz zu bewahren. Unsägliche Folter, wo er volles Vertrauen, alle übermenschliche Kraft braucht, wo er unter allen der große Kranke, der große Gesetzesbrecher, der große Geächtete sein wird, - und der höchste Wissende!"

(Arthur Rimbaud; Brief an Paul Démenay - „Seherbrief“)


In einem beispiellosen Schaffensprozess von nur vier Jahren schuf der französische Dichter Arthur Rimbaud (1854-1891) ein Werk, das in seiner radikalen Auflehnung gegen traditionelles Kunstverständnis, ja gegen die Realität selbst, zum Vorbild für viele Lyriker der Moderne wurde. Im Alter von 15 Jahren wandelt er sich unvermittelt vom preisgekrönten Musterschüler zum erbitterten Gegner seiner kleinbürgerlichen Umwelt. Er flieht mehrfach aus seiner Heimatstadt Charleville, sympathisiert mit den Aufständen der Pariser Commune (1871) und entwirft in den „Seherbriefen“ ein revolutionäres poetisches Programm, welches in letzter Konsequenz auch die psychische Selbstzerstörung des Dichters vorsieht. Seine stürmische Liebesbeziehung mit dem Dichter Paul Verlaine mündet in eine Katastrophe und Rimbaud verarbeitet sie in seinem wohl berühmtesten Gedichtzyklus Une saison à l’enfer (Eine Zeit in der Hölle), bevor er als Dichter verstummt und den Rest seines Lebens als Reisender durch ganz Europa und den Orient verbringt.

Aus Anlass des 120. Todestages hat Thomas Lazarus einen Streifzug durch Leben und Werk dieses poète maudit unternommen und Texte zusammengestellt, die in Form einer zweisprachigen Lesung in Zusammenarbeit mit Oberstufenschülern vorgestellt werden sollen. 


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