Schluss mit dem Theater
"wir werden partisanen sein"
ein gesang von wolfgang schulz

"Alle Schauspieler sind Prostituierte des Systems
Naturgemäß
Alle gehen sie auf den Strich
Alle
Kaum sind sie geschminkt
Gehen sie auf den Strich."

Thomas Bernhard zu Bernhard Minetti kurz vor dessen Tod 1998

Die Feststellung, daß die Theater einschließlich der Privattheater, sterbende bürgerliche Kunstinstitute angesichts von Film, Fernsehen und Internet seien und ihre Daseinsberechtigung verloren hätten, ist nicht gerade neu. Die Meinung, daß das Theater nicht untergehen wird, weil es ein Ort lebendiger Vermittlung von Auseinandersetzung mit den unmittelbaren Mitteln der Schauspieler-Kunst sei, hält verzweifelt dagegen.
Was denn nun?
Ich spreche hier nur für die Privattheater in Würzburg, insbesondere für die Werkstattbühne, die sich 1981 gründete, als nach der Liquidierung der Stammheim-Häftlinge und dem vergeblichen Versuch von Kammerjäger Franz-Josef Strauß 1980 Kanzler der Republik zu werden, es stattdessen 1982, den SPD-Kanzler Schmidt-Schnauze ablösend, Helmut Kohl wurde, der eine geistig-moralische Wende versprach. Was auch hinten rauskam, als sich fortan die schon immer untertänigen, von faschistischer Mentalität geprägten Deutschen ins Gewand von reaktionären Anpassern und Ja-Sagern schlüpften und die Jugendlichen zu unpolitischen Schwachsinnigen sich entwickelten. Die Privatbühnen, allen voran die Werkstattbühne, suchten die Kultur der lebendigen politischen Auseinandersetzung jede auf seine Weise – und sei es auch nur in einer Anti-Haltung gegenüber der traditionellen Kultur-Tempelei- in ein vom Inhalt her politisch alternativ verstandenes Theater hinein zu verlagern.
Das ging so lange ganz gut, so lange die Privatbühnen keine Subvention erhielten und keinem ökonomischen Zwang „ausgeliefert“ waren. Mit der Subventionierung von Seiten der Stadt, Ende der 80er, die seitdem mal mehr, mal weniger betrug, je nach finanzieller Lage des Stadtsäckels, änderte sich das Selbstverständnis der Bühnen. Die Subventionen wirkten sich als Danaer-Geschenke aus: als Scheren im Kopf. Die Bühnen wurden in die Demokratur-Pflicht genommen. Verstand sich die Werkstattbühne zumal anfangs noch als eine literarisch-politische Bühne, mit der Betonung der Charakterisierung als Theaterlaboratorium, ging es jetzt darum, den Beteiligten, den Laien-Schauspielern, Bühnenbildnern, Technikern etc. einen bescheidenes Taschengeld zu bezahlen, im übrigen aber die Einnahmen der Bühne zu mehren, deren Ausgaben im Laufe der Zeit kontinuierlich stiegen, so daß das Theater-Experiment, vor allem das politische, bei Strafe von Einnahmeausfällen nicht gewagt werden konnten. Der Main-Stream und die Mentalität des Besitzstandes machten sich breit, das einmal Errungene bei immer beliebigerem Unterhaltungs-Angebot festzuhalten. Hoben sich sich noch anfangs die Spielpläne gegenüber dem konservativen Stadttheater durch politisch-fortschrittliche Aufmüpfigkeit, durch engagierte Munterkeit und Wagemut in der künstlerischen Darbietung voneinander ab, so verfielen nach und nach die Theater zu Spielwiesen bzw. Erwachsenen-Bildungsstätten/Abt. Komödien /Schauspiel.
Zuletzt, aber schon seit Jahr und Tag, versuchte die Werkstattbühne, mal mehr, mal weniger gelungen, den Lehrplan der unterfränkischen Gymnasien ergänzend zu Königs Erläuterungen zu bedienen, indem sie die Klassiker anschaulich rauf und runter spielte. Ein legitimes Anliegen der Kasse (=Dem Wahren, Guten und Schönen) im speziellen und der bürgerlich-ästhethischen Bildung des jungen Unterfranken (Zukunft=No future! Bankraub! oder CSU-Eintritt!) im allgemeinen.
Gott Mammon und die Verbraucher hatten gesiegt. Der Schauspieler-Stamm, zu dem angesichts des Zeitaufwands nur noch wenige Adepten stießen, routinisierte, läuft politisch mit und rentnert dahin. Was die Beliebigkeit und Verblödung, einschließlich künstlerischer Fertigkeiten anging, war uns allerdings das professionelle Drei-Sparten-Theater schon immer voraus.
Welche Daseins-Berechtigung also haben die Privattheater heute?
Diese Frage läßt sich auf die ganze heute in Anführungszeichen zu schreibende „alternative“ Kulturszene Würzburgs erweitern. Der Satz Brechts Wenn man sieht, daß unsere heutige Welt nicht mehr ins Drama passt, dann passt das Drama eben auch nicht mehr in die Welt gilt für die Theaterkunst in Gänze - und daraus müssen angesichts der kapitalistischen Finanz- und Wirtschafts-Krise Schlußfolgerungen gezogen werden. Ein WEITER SO jedenfalls wird die Theater nicht retten. Wolfgang Schulz versucht eine Antwort zu geben, wie die Theater aus ihrer selbstverschuldeten Krise herausfinden könnten. 

Eintritt frei! Im Anschluß an den Vortrag sind die Besucher zu einer Diskussion eingeladen!
Allen denjenigen, die sich für die Theaterarbeit interessieren, bieten wir Möglichkeiten nicht nur zur Mitarbeit als Schauspieler/innen sondern auch als Bühnenbildner/innen, Kostümbildner/innen, Techniker/innen oder als Assistenten/innen.


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