Friedrich Schiller: Der Verbrecher aus verlorener Ehre
Der ursprünglich unter dem Titel Verbrecher aus Infamie 1786 anonym in der von Schiller herausgegebenen Zeitschrift Thalia erschienene Erzählung gab er 1792 überarbeitet und nunmehr mit neuem Titel in der Sammlung Kleinere prosaische Schriften heraus. Sie trägt den Untertitel Eine wahre geschichte, die ihre Motive der lebensgeschichte des Räubers Friedrich Schwann verdankt.

In der ganzen Geschichte des Menschen ist kein Kapitel unterrichtender für Herz und Geist als die Annalen seiner Verirrungen. Bei jedem großen Verbrechen war eine verhältnismäßig große Kraft in Bewegung. Wenn sich das geheime Spiel der Begehrungskraft bei dem matteren Licht gewöhnlicher Affekte versteckt, so wird es im Zustand gewaltsamer Leidenschaft desto hervorspringender, kolossalischer, lauter; der feinere Menschenforscher, welcher weiß, wie viel man auf die Mechanik der gewöhnlichen Willensfreiheit eigentlich rechnen darf und wie weit es erlaubt ist, analogisch zu schließen, wird manche Erfahrung aus diesem Gebiete in seine Seelenlehre herübertragen und für das sittliche Leben verarbeiten, so beginnt Schiller eine seiner ersten Erzählungen, die Wolfgang Schulz schon einmal 2005 zum 200. Todestag in der Werkstattbühne vortrug.


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