"Wir werden Menschen sein, sagt das bewußte Proletariat, die Avantgarde genannt, das heißt für die Bourgeoisie aber: wir werden das verhindern."
(Gudrun Ensslin, Brief an ihre Schwester Christiane am 10.1.73*)
"das einzige was zählt ist der kampf - jetzt, heute, morgen, gefressen oder nicht, was interessiert, ist was du draus machst: n Sprung nach vorn. besser werden, aus den erfahrungen lernen, genau das muss man daraus machen, alles andere ist dreck.
DER KAMPF GEHT WEITER....der Kampf hört nie auf..."
(Holger Meins, 1.11.74*)
Als eine unterrichtung wird die collage über die RAF in ihrem Untertitel bezeichnet, weil es mehr als notwendig ist, angesichts der hetze der gleichgeschalteten bundesdeutschen medien mit ihren journalistischen system-kakerlaken, aufzuklären über ziele und motive der damaligen studentischen linken und insbesondere der RAF. das auch, weil der seit 3 jahrzehnten anhaltende versuch der entpolitisierung der bevölkerung u.a. die hintergründe der auseinandersetzung mit den kämpfern der RAF und deren politische ziele und letztlich auch die der 68er bewegung vergessen machen soll. dem setzen wir die unterrichtung über ein kapitel deutscher nachkriegsgeschichte entgegen, damit es nicht wie schon einmal angesichts der nazi-greueltaten unschuldig-treudeutsch gegenüber den kommenden generationen heißen kann: von all dem haben wir nichts gewußt.
allerdings: die verfälschung der geschichte insgesamt ist fortgeschritten. die lüge, heuchelei und faselei von freiheit und democracy (b.brecht), die die köpfe der herrschenden klasse und ihrer poltischen helfershelfer in der brd und europa erfüllt - und die ihrer polizeilichen schlagstock-handlanger, juristischen klassenjustiz-erfüllungsgehilfen à la die-kleinen-hängt-man-die großen-läßt-man-laufen, gewerkschaftlichen stiefelknechte, bankbevoll-mächtigten zuhälter und ministeriellen ladenschwengel à la Koch bis hin zum rollstuhlfahrenden überwachungs-junkie zur vorbereitung eines faschistischen staates neuer prägung, wird propagandistisch weiterge-geben als tagtägliche conditionierung der untertanen-bürger zu verbraucherschweinen. deren sklavenmäßige deformierung hat sich schon als in höchstem grade ansteckende opportunistische infektion subkutan im gesamten 'volkskörper' ausgebreitet und bildet geschwürige denunzianten-metastasen (kronzeugenregelung !). in jedem untertanen-kopf ist die schere im kopf zur beschneidung widerborstiger, von der staatsnorm abweichender gedanken herangezüchtet worden. mehr als das zwiedenken (orwell) nimmt das nicht- und un-denken zu. der fühllose zombie geht in unseren reihen um. wer nicht mehr selbst-ständig denkt, fühlt auch nicht mehr selbst-ständig, alles von staats wegen konditioniert, und auf kredit. oder: wer nur nach den gesetzen der verwertung, von mehrwert und profit denkt, fühlt auch nur in den gesetzen von mehrwert und profit, ist selbst zur ware mit scanner-code geworden. konsens-denken, political correctnes sind gefragt, der bürger ist willenloses politisches subjekt, er ist vom kapitalistischen system kolonisiert. die reaktion erhebt ihren schweinskof (ensslin). in vorderster front, in global-player-ausmassen, werden total-überwachung und mit ihr ausbeutung und unterdrückung hartz-IV-mäßig vorangetrieben. seit eh und je, seit den tagen der 68er unter dem deckmantel der terroristen-bekämpfung gesetze (gesinnungsstrafrecht) zum schutz des systems. damals begann das alles, so daß jemand wie der schriftsteller Andersch damals in einem gedicht sagen konnte:
die gesellschaft/ist wieder geteilt/in wächter/und bewachte//wie gehabt//ein geruch breitet sich aus/der geruch einer maschine/die gas erzeugt* Anfang der 70er Jahre herrschen in Spanien und Portugal Diktatoren, in Griechenland wütet von Gnaden der USA eine faschistische Militärjunta, in Vietnam eskaliert der mörderische Krieg der USA und 1973 wird in Chile mit Unterstützung der USA eine demokratisch gewählte Linksregierung liquidiert. Die BRD ist integraler Bestandteil dieses imperialistischen Gesamtzusammenhangs, und so wird die Wut und der Haß derer verständlich, die dagegen eine antiimperialistische Front aufbauen wollen. Der Staat, der das zum Anlaß für eine in der BRD-Geschichte beispiellose polizeiliche Aufrüstung nimmt und mit innerstaatlichen Feinderklärungen ein Angstklima der Repression erzeugt, schließt den Raum öffentlicher Debatte und lässt erkennen, wie schwach seine demokratischen Fundamente sind
(ensslin,vorwort).
die collage, die nur sehr verkürzt diese zeit intensiver Auseinandersetzung zwischen mensch und kapitalistischer staatsmaschinerie sichtbar machen kann, umfaßt den zeitraum von der hungerstreiks 1973 bis mitte september 1974 und den des anschließenden hungerstreiks der RAF- genossen von september 1974 bis februar 1975 sowie deren diskussion vom mai 1975 bis zum september 1977 in stark gekürzter form, die mittels info-briefen (im oktober 1988 beschlagnahmt) über die rechtsanwälte geführt und der öffentlichkeit später in buchform zugänglich gemacht wurde, als ein Beitrag zur Aufklärung über Ursachen, Hintergründe und Ziele des bewaffneten Kampfes in Westeuropa, der als antiimperialistischer Guerillakrieg geführt, von den Staatsschutzbehörden als solcher auch verstanden und auf der Ebene offener und verdeckter Kriegführung angenommen wurde. Dieser Krieg ist Teil unserer Gegenwart.
(*vorwort zu das info, s.u).
in der auswahl wurde vorwiegend chronologisch, aber auch thematisch-inhaltlich verfahren. das bedeutete, auf eine namentliche zuordnung der während der hungerstreik-kampfes entstandenen zwischen den in stammheim, berlin, celle, hamburg u.a. haftanstalten gewechselten info-briefe der eingekerkerten RAF-häftlinge zu verzichten, zumal die häftlinge sich als politisches kollektiv verstanden. zum teil ergibt sich diese namenszuordnung aber von selbst, da es sich im wesentlichen um äußerungen von ulrike meinhof, gudrun ensslin, ingrid schubert, andreas baader, jan-carl raspe, holger meins, rolf pohle u.a. handelte. es ging es im wesentlichen um die aufhebung der isolationshaft und integration in den normalvollzug sowie um die zusammenlegung zu interaktionsfähigen gruppen von mindestens 15 personen. beim vierten hungerstreik wurden diese forderungen wiederholt bzw. eine behandlung verlangt, die den mindestgarantien der genfer konvention entsprochten hätte. während dieser zeit starb holger meins nach 8 wochen hungerstreik am 09.november 1974, da ihm während der zwangsernährung bewußt immer weniger kalorien verabreicht wurden. Am 09.mai 1975 wurde ulrike meins in ihrer zelle tot entdeckt, erhängt. am 18.10.1977, am morgen nach der mogadischu-aktion, wurden andreas baader, jan-carl raspe erschossen, gudrun ensslin erhängt und irmgard möller mit schweren stichverletzungen in der brust (sie überlebte) und die vorher nach münchen-stadelheim verlegte ingrid schubert am 17. november 1977 erhängt in ihren zellen vorgefunden. die bis heute als selbstmorde (* vgl. das gedicht von erich fried) deklarierten tode wurden von unabhängigen untersuchungskommis-sionen mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit als morde bzw. liquidierungen erkannt. (wem fällt da nicht der mord der faschisten an dem anarchistischen dichter erich mühsam im kz oranienburg ein !?) liquidierungen im übrigen, wie es sie früher und noch später bei der verfolgung anderer RAF-kämpfer gegeben hatte. Ergebnis: 27 tote, darunter auch unschuldige.
ein ausführliches textbuch, das die zwischen den gefangenen gewechselten infos beinhaltet, aus denen in der hauptsache die collage besteht, mit verweis auf die verwendete und benutzte literatur, erscheint zur premiere am 3. november.
w.schulz
Gudrun Ennslin: Zieht den Trennungsstrich, jede Minute. Briefe an ihre Schwester Christiane und ihren Bruder Gottfried aus dem Gefägnis 1972-1973, Hamburg 2005.
*das info. briefe von gegfangenen der raf aus der diskussion 1973-1977.DOKUMENTE, hrsg. von Pieter Bakker Schut, Hamburg 1987.
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(Gudrun Ensslin, Brief an ihre Schwester Christiane am 10.1.73*)
"das einzige was zählt ist der kampf - jetzt, heute, morgen, gefressen oder nicht, was interessiert, ist was du draus machst: n Sprung nach vorn. besser werden, aus den erfahrungen lernen, genau das muss man daraus machen, alles andere ist dreck.
DER KAMPF GEHT WEITER....der Kampf hört nie auf..."
(Holger Meins, 1.11.74*)
Als eine unterrichtung wird die collage über die RAF in ihrem Untertitel bezeichnet, weil es mehr als notwendig ist, angesichts der hetze der gleichgeschalteten bundesdeutschen medien mit ihren journalistischen system-kakerlaken, aufzuklären über ziele und motive der damaligen studentischen linken und insbesondere der RAF. das auch, weil der seit 3 jahrzehnten anhaltende versuch der entpolitisierung der bevölkerung u.a. die hintergründe der auseinandersetzung mit den kämpfern der RAF und deren politische ziele und letztlich auch die der 68er bewegung vergessen machen soll. dem setzen wir die unterrichtung über ein kapitel deutscher nachkriegsgeschichte entgegen, damit es nicht wie schon einmal angesichts der nazi-greueltaten unschuldig-treudeutsch gegenüber den kommenden generationen heißen kann: von all dem haben wir nichts gewußt.
allerdings: die verfälschung der geschichte insgesamt ist fortgeschritten. die lüge, heuchelei und faselei von freiheit und democracy (b.brecht), die die köpfe der herrschenden klasse und ihrer poltischen helfershelfer in der brd und europa erfüllt - und die ihrer polizeilichen schlagstock-handlanger, juristischen klassenjustiz-erfüllungsgehilfen à la die-kleinen-hängt-man-die großen-läßt-man-laufen, gewerkschaftlichen stiefelknechte, bankbevoll-mächtigten zuhälter und ministeriellen ladenschwengel à la Koch bis hin zum rollstuhlfahrenden überwachungs-junkie zur vorbereitung eines faschistischen staates neuer prägung, wird propagandistisch weiterge-geben als tagtägliche conditionierung der untertanen-bürger zu verbraucherschweinen. deren sklavenmäßige deformierung hat sich schon als in höchstem grade ansteckende opportunistische infektion subkutan im gesamten 'volkskörper' ausgebreitet und bildet geschwürige denunzianten-metastasen (kronzeugenregelung !). in jedem untertanen-kopf ist die schere im kopf zur beschneidung widerborstiger, von der staatsnorm abweichender gedanken herangezüchtet worden. mehr als das zwiedenken (orwell) nimmt das nicht- und un-denken zu. der fühllose zombie geht in unseren reihen um. wer nicht mehr selbst-ständig denkt, fühlt auch nicht mehr selbst-ständig, alles von staats wegen konditioniert, und auf kredit. oder: wer nur nach den gesetzen der verwertung, von mehrwert und profit denkt, fühlt auch nur in den gesetzen von mehrwert und profit, ist selbst zur ware mit scanner-code geworden. konsens-denken, political correctnes sind gefragt, der bürger ist willenloses politisches subjekt, er ist vom kapitalistischen system kolonisiert. die reaktion erhebt ihren schweinskof (ensslin). in vorderster front, in global-player-ausmassen, werden total-überwachung und mit ihr ausbeutung und unterdrückung hartz-IV-mäßig vorangetrieben. seit eh und je, seit den tagen der 68er unter dem deckmantel der terroristen-bekämpfung gesetze (gesinnungsstrafrecht) zum schutz des systems. damals begann das alles, so daß jemand wie der schriftsteller Andersch damals in einem gedicht sagen konnte:
die gesellschaft/ist wieder geteilt/in wächter/und bewachte//wie gehabt//ein geruch breitet sich aus/der geruch einer maschine/die gas erzeugt* Anfang der 70er Jahre herrschen in Spanien und Portugal Diktatoren, in Griechenland wütet von Gnaden der USA eine faschistische Militärjunta, in Vietnam eskaliert der mörderische Krieg der USA und 1973 wird in Chile mit Unterstützung der USA eine demokratisch gewählte Linksregierung liquidiert. Die BRD ist integraler Bestandteil dieses imperialistischen Gesamtzusammenhangs, und so wird die Wut und der Haß derer verständlich, die dagegen eine antiimperialistische Front aufbauen wollen. Der Staat, der das zum Anlaß für eine in der BRD-Geschichte beispiellose polizeiliche Aufrüstung nimmt und mit innerstaatlichen Feinderklärungen ein Angstklima der Repression erzeugt, schließt den Raum öffentlicher Debatte und lässt erkennen, wie schwach seine demokratischen Fundamente sind
(ensslin,vorwort).
die collage, die nur sehr verkürzt diese zeit intensiver Auseinandersetzung zwischen mensch und kapitalistischer staatsmaschinerie sichtbar machen kann, umfaßt den zeitraum von der hungerstreiks 1973 bis mitte september 1974 und den des anschließenden hungerstreiks der RAF- genossen von september 1974 bis februar 1975 sowie deren diskussion vom mai 1975 bis zum september 1977 in stark gekürzter form, die mittels info-briefen (im oktober 1988 beschlagnahmt) über die rechtsanwälte geführt und der öffentlichkeit später in buchform zugänglich gemacht wurde, als ein Beitrag zur Aufklärung über Ursachen, Hintergründe und Ziele des bewaffneten Kampfes in Westeuropa, der als antiimperialistischer Guerillakrieg geführt, von den Staatsschutzbehörden als solcher auch verstanden und auf der Ebene offener und verdeckter Kriegführung angenommen wurde. Dieser Krieg ist Teil unserer Gegenwart.
(*vorwort zu das info, s.u).
in der auswahl wurde vorwiegend chronologisch, aber auch thematisch-inhaltlich verfahren. das bedeutete, auf eine namentliche zuordnung der während der hungerstreik-kampfes entstandenen zwischen den in stammheim, berlin, celle, hamburg u.a. haftanstalten gewechselten info-briefe der eingekerkerten RAF-häftlinge zu verzichten, zumal die häftlinge sich als politisches kollektiv verstanden. zum teil ergibt sich diese namenszuordnung aber von selbst, da es sich im wesentlichen um äußerungen von ulrike meinhof, gudrun ensslin, ingrid schubert, andreas baader, jan-carl raspe, holger meins, rolf pohle u.a. handelte. es ging es im wesentlichen um die aufhebung der isolationshaft und integration in den normalvollzug sowie um die zusammenlegung zu interaktionsfähigen gruppen von mindestens 15 personen. beim vierten hungerstreik wurden diese forderungen wiederholt bzw. eine behandlung verlangt, die den mindestgarantien der genfer konvention entsprochten hätte. während dieser zeit starb holger meins nach 8 wochen hungerstreik am 09.november 1974, da ihm während der zwangsernährung bewußt immer weniger kalorien verabreicht wurden. Am 09.mai 1975 wurde ulrike meins in ihrer zelle tot entdeckt, erhängt. am 18.10.1977, am morgen nach der mogadischu-aktion, wurden andreas baader, jan-carl raspe erschossen, gudrun ensslin erhängt und irmgard möller mit schweren stichverletzungen in der brust (sie überlebte) und die vorher nach münchen-stadelheim verlegte ingrid schubert am 17. november 1977 erhängt in ihren zellen vorgefunden. die bis heute als selbstmorde (* vgl. das gedicht von erich fried) deklarierten tode wurden von unabhängigen untersuchungskommis-sionen mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit als morde bzw. liquidierungen erkannt. (wem fällt da nicht der mord der faschisten an dem anarchistischen dichter erich mühsam im kz oranienburg ein !?) liquidierungen im übrigen, wie es sie früher und noch später bei der verfolgung anderer RAF-kämpfer gegeben hatte. Ergebnis: 27 tote, darunter auch unschuldige.
ein ausführliches textbuch, das die zwischen den gefangenen gewechselten infos beinhaltet, aus denen in der hauptsache die collage besteht, mit verweis auf die verwendete und benutzte literatur, erscheint zur premiere am 3. november.
w.schulz
Gudrun Ennslin: Zieht den Trennungsstrich, jede Minute. Briefe an ihre Schwester Christiane und ihren Bruder Gottfried aus dem Gefägnis 1972-1973, Hamburg 2005.
*das info. briefe von gegfangenen der raf aus der diskussion 1973-1977.DOKUMENTE, hrsg. von Pieter Bakker Schut, Hamburg 1987.
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