Kleists vielschichtige Erzählung "Das Erdbeben in Chili", die zunächst in Cottas Morgenblatt für gebildete Stände unter dem Titel Jeronimo und Josephe veröffentlicht wird, muss vor verschiedenen Hintergründen betrachtet werden.
Kleist hat wohl bei der Auseinandersetzung mit einem Zeitereignis das Thema Erdbeben nicht zufällig gewählt. So könnte das Lissabonner Erdbeben von 1755 für Kleist Anlass gewesen sein. Eine andere Auslegung für Kleists Ausgangssituation in der Novelle das Erdbeben in Chili vermutet, dass er ein großes Erdbeben von 1647 im heutigen Chile in der Hauptstadt Santiago als Ideenquelle nutzte.
Die berufliche, soziale und individuelle Problematik (das Leben ist ein schweres Spiel …, weil man beständig und immer von neuem eine Karte ziehen soll und doch nicht weiß, was Trumpf ist; – Brief an die Halbschwester Ulrike vom 5. Februar 1801) verdichtete sich vermutlich vor dem Hintergrund der Lektüre von Kants Kritik der Urteilskraft zur „Kant-Krise“... In Orientierung an Kants Kritik an allzu simplen Vorstellungen der Aufklärung sah Kleist seinen geradlinigen, rein vernunftorientierten Lebensplan über Nacht obsolet geworden. In einem berühmten Brief an Wilhelmine vom 22. März 1801 notierte Kleist: "Wir können nicht entscheiden, ob das was wir Wahrheit nennen, wahrhaftig Wahrheit ist oder ob es uns nur so scheint (…) Mein einziges, mein höchstes Ziel ist gesunken, ich habe nun keines mehr ..."
Die an den Beginn des Erdbeben in Chili gestellte Situation ist beispielhaft für die Kleistsche Erzählung. Ort und Zeit des Geschehens sowie eine der Hauptpersonen werden im ersten Satz genannt. Darüber hinaus besteht eine Extremsituation, ein unerhörtes Ereignis, mit dem sich der Mensch konfrontiert sieht, innerhalb dessen er sich behaupten muss. Hier: das Erdbeben...
Insbesondere die ironischen Momente verweisen auf Kleists ablehnende Haltung gegenüber der Gesellschaft. Seine Kritik gilt allerdings nicht einer bestimmten Gesellschaftsform oder speziellen Institutionen, sondern dem System an sich; im Sinne Rousseaus wird von ihm die Möglichkeit der Selbstverwirklichung des einzelnen Menschen innerhalb gesellschaftlicher Strukturen per se ausgeschlossen. Jeronimo und Josephe stehen exemplarisch für die Unmöglichkeit der Existenz von privatem Liebesglück und Familie in einer Umwelt, in der die Interessen der Individuen von der Masse zermalmt werden.
Als Gegenbild zu den etablierten Gesellschaftsstrukturen zeichnet Kleist im Mittelteil der Erzählung die Idylle des Tals vor der Stadt, die erst durch das Erdbeben, den Umsturz aller Verhältnisse möglich gemacht wird. Hier scheint der menschliche Geist selbst, wie eine schöne Blume aufzugehn und es ist, als ob das allgemeine Unglück alles, was ihm entronnen war, zu einer Familie gemacht hätte
(aus: http://www.xlibris.de/Autoren/Kleist/Werke/Das+Erdbeben+in+Chili?page=0%2C1
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_von_Kleist#Biographien_und_Gesamtdar-stellungen)
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Kleist hat wohl bei der Auseinandersetzung mit einem Zeitereignis das Thema Erdbeben nicht zufällig gewählt. So könnte das Lissabonner Erdbeben von 1755 für Kleist Anlass gewesen sein. Eine andere Auslegung für Kleists Ausgangssituation in der Novelle das Erdbeben in Chili vermutet, dass er ein großes Erdbeben von 1647 im heutigen Chile in der Hauptstadt Santiago als Ideenquelle nutzte.
Die berufliche, soziale und individuelle Problematik (das Leben ist ein schweres Spiel …, weil man beständig und immer von neuem eine Karte ziehen soll und doch nicht weiß, was Trumpf ist; – Brief an die Halbschwester Ulrike vom 5. Februar 1801) verdichtete sich vermutlich vor dem Hintergrund der Lektüre von Kants Kritik der Urteilskraft zur „Kant-Krise“... In Orientierung an Kants Kritik an allzu simplen Vorstellungen der Aufklärung sah Kleist seinen geradlinigen, rein vernunftorientierten Lebensplan über Nacht obsolet geworden. In einem berühmten Brief an Wilhelmine vom 22. März 1801 notierte Kleist: "Wir können nicht entscheiden, ob das was wir Wahrheit nennen, wahrhaftig Wahrheit ist oder ob es uns nur so scheint (…) Mein einziges, mein höchstes Ziel ist gesunken, ich habe nun keines mehr ..."
Die an den Beginn des Erdbeben in Chili gestellte Situation ist beispielhaft für die Kleistsche Erzählung. Ort und Zeit des Geschehens sowie eine der Hauptpersonen werden im ersten Satz genannt. Darüber hinaus besteht eine Extremsituation, ein unerhörtes Ereignis, mit dem sich der Mensch konfrontiert sieht, innerhalb dessen er sich behaupten muss. Hier: das Erdbeben...
Insbesondere die ironischen Momente verweisen auf Kleists ablehnende Haltung gegenüber der Gesellschaft. Seine Kritik gilt allerdings nicht einer bestimmten Gesellschaftsform oder speziellen Institutionen, sondern dem System an sich; im Sinne Rousseaus wird von ihm die Möglichkeit der Selbstverwirklichung des einzelnen Menschen innerhalb gesellschaftlicher Strukturen per se ausgeschlossen. Jeronimo und Josephe stehen exemplarisch für die Unmöglichkeit der Existenz von privatem Liebesglück und Familie in einer Umwelt, in der die Interessen der Individuen von der Masse zermalmt werden.
Als Gegenbild zu den etablierten Gesellschaftsstrukturen zeichnet Kleist im Mittelteil der Erzählung die Idylle des Tals vor der Stadt, die erst durch das Erdbeben, den Umsturz aller Verhältnisse möglich gemacht wird. Hier scheint der menschliche Geist selbst, wie eine schöne Blume aufzugehn und es ist, als ob das allgemeine Unglück alles, was ihm entronnen war, zu einer Familie gemacht hätte
(aus: http://www.xlibris.de/Autoren/Kleist/Werke/Das+Erdbeben+in+Chili?page=0%2C1
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_von_Kleist#Biographien_und_Gesamtdar-stellungen)
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