Zum Stück
Kabarettistische Texte und Lieder haben im Gegensatz zu anderen Kunstwerken ein einzigartiges symbiotisches Verhältnis mit ihrem Urheber. Sie scheinen fest an seine Person gebunden zu sein. Vielleicht spricht man ja deswegen von „Kleinkunst“. Das Publikum möchte die Texte des Kleinkünstlers nicht nur von ihm selber gesprochen hören, es möchte ihm dabei, um mit Hanns Dieter Hüsch zu sprechen, auch „möglichst auf dem Schoß sitzen“. „Denn der Kleinkünstler ist unser Mißständebeseitiger! Er beseitigt für uns die Mißstände!“
Das Kabarett ist also stets mit dem persönlichen Auftreten des Kabarettisten verknüpft. Dieser Umstand läßt es schwierig erscheinen, kabarettistische Texte als Schauspieler auf die Bühne zu bringen. Ein Ensemble von Schauspielern kann daher bestenfalls einen kabarettistischen Rückblick in die Vergangenheit wagen. Aber handelt es sich hier tatsächlich um ein Wagnis? Oder ist es nicht gerade dem Schauspieler vorbehalten, das Kabarett dem Vergessen zu entreißen? Zumal dann, wenn der Kabarettist schon verstorben ist?
Mit unserem Programm verfolgen wir keineswegs die Absicht, einen Querschnitt durch die Geschichte des deutschen Kabaretts zu präsentieren. Indem wir uns schwerpunktmäßig auf Wolfgang Neuss, Hanns Dieter Hüsch und Matthias Beltz konzentrieren, bieten wir eher einen mikroskopisch kleinen Ausschnitt. Dieser Blick durch das Mikroskop hat es jedoch in sich, denn mit den genannten Herren läßt sich durchaus ein Streifzug durch die jüngere deutsche Vergangenheit unternehmen. Dabei spiegeln uns die Kabarettisten nicht nur die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse wider und wie sich diese verändern (oder besser gesagt häufig genug nicht verändern). Es läßt sich auch beobachten, wie sich die Kabarettisten durch eben diese Arbeit teilweise selbst verändern, vielleicht auch verändert werden.
So bricht Hanns Dieter Hüsch seine anfängliche Zusammenarbeit mit der Studentenbewegung 1968 ab, nachdem er auf dem FolkFestival auf Burg Waldeck wegen seines „bourgeoisen Verniedlichungstrends“ als „Kitschgemüt mit Goldbrokat“ von der Bühne gebuht wurde. Hüsch trat in der Folge vorübergehend nur noch in der Schweiz auf und wandte sich in den 80er Jahren mehr den Tücken des Alltags und des menschlichen Zusammenlebens zu. „Manchmal wird man ja gefragt, wenn man keinen Kohl-Witz macht, wo denn der Biß geblieben sei...ich weiß es auch nicht“ kommentierte er lakonisch in einem seiner Programme den Vorwurf des Unpolitischen und äußerte auch seine Zweifel an dem Sinn der zahllosen Parodien auf Helmut Kohl zu jener Zeit.
Sein Freund und Kollege Wolfgang Neuss sah letzteres wohl ähnlich: „Ich mache keine Witze mehr über Kohl. Ich lache gleich über ihn.“ Neuss war in den 70er Jahren abgetaucht und lebte für kurze Zeit in Chile. „Ich bin ausgestiegen, weil ich meine Art, zu protestieren, nicht mehr hören konnte.“ „Aussteigen heißt ja nichts weiter wie: Einsteigen. Einsteigen in was? Na in sich. Sich selber suchen.“ Eine Suche, die ihn äußerlich erheblich veränderte. In den 80er Jahren erlebte man ihn als zahnlosen langhaarigen Haschischguru wieder auf der Bühne und im Fernsehen. Aber ein Aussteiger blieb er, aus Überzeugung. Seinen kritischen Äußerungen tat das keinen Abbruch, sie wurden eher direkter: „Lieber ein grün gebrochenes Tabu als ein schwarz gekotztes Ehrenwort.“
Ausgangspunkt unseres kabarettistischen Streifzugs ist das Quartett 67 dem neben Neuss und Hüsch auch die Liedermacher Dieter Süverkrüp und Franz Josef Degenhardt angehörten, die in unserem Programm ebenfalls zu Gehör gebracht werden sollen.
Zurück zur Programmvorschau »
Kabarettistische Texte und Lieder haben im Gegensatz zu anderen Kunstwerken ein einzigartiges symbiotisches Verhältnis mit ihrem Urheber. Sie scheinen fest an seine Person gebunden zu sein. Vielleicht spricht man ja deswegen von „Kleinkunst“. Das Publikum möchte die Texte des Kleinkünstlers nicht nur von ihm selber gesprochen hören, es möchte ihm dabei, um mit Hanns Dieter Hüsch zu sprechen, auch „möglichst auf dem Schoß sitzen“. „Denn der Kleinkünstler ist unser Mißständebeseitiger! Er beseitigt für uns die Mißstände!“
Das Kabarett ist also stets mit dem persönlichen Auftreten des Kabarettisten verknüpft. Dieser Umstand läßt es schwierig erscheinen, kabarettistische Texte als Schauspieler auf die Bühne zu bringen. Ein Ensemble von Schauspielern kann daher bestenfalls einen kabarettistischen Rückblick in die Vergangenheit wagen. Aber handelt es sich hier tatsächlich um ein Wagnis? Oder ist es nicht gerade dem Schauspieler vorbehalten, das Kabarett dem Vergessen zu entreißen? Zumal dann, wenn der Kabarettist schon verstorben ist?
Mit unserem Programm verfolgen wir keineswegs die Absicht, einen Querschnitt durch die Geschichte des deutschen Kabaretts zu präsentieren. Indem wir uns schwerpunktmäßig auf Wolfgang Neuss, Hanns Dieter Hüsch und Matthias Beltz konzentrieren, bieten wir eher einen mikroskopisch kleinen Ausschnitt. Dieser Blick durch das Mikroskop hat es jedoch in sich, denn mit den genannten Herren läßt sich durchaus ein Streifzug durch die jüngere deutsche Vergangenheit unternehmen. Dabei spiegeln uns die Kabarettisten nicht nur die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse wider und wie sich diese verändern (oder besser gesagt häufig genug nicht verändern). Es läßt sich auch beobachten, wie sich die Kabarettisten durch eben diese Arbeit teilweise selbst verändern, vielleicht auch verändert werden.
So bricht Hanns Dieter Hüsch seine anfängliche Zusammenarbeit mit der Studentenbewegung 1968 ab, nachdem er auf dem FolkFestival auf Burg Waldeck wegen seines „bourgeoisen Verniedlichungstrends“ als „Kitschgemüt mit Goldbrokat“ von der Bühne gebuht wurde. Hüsch trat in der Folge vorübergehend nur noch in der Schweiz auf und wandte sich in den 80er Jahren mehr den Tücken des Alltags und des menschlichen Zusammenlebens zu. „Manchmal wird man ja gefragt, wenn man keinen Kohl-Witz macht, wo denn der Biß geblieben sei...ich weiß es auch nicht“ kommentierte er lakonisch in einem seiner Programme den Vorwurf des Unpolitischen und äußerte auch seine Zweifel an dem Sinn der zahllosen Parodien auf Helmut Kohl zu jener Zeit.
Sein Freund und Kollege Wolfgang Neuss sah letzteres wohl ähnlich: „Ich mache keine Witze mehr über Kohl. Ich lache gleich über ihn.“ Neuss war in den 70er Jahren abgetaucht und lebte für kurze Zeit in Chile. „Ich bin ausgestiegen, weil ich meine Art, zu protestieren, nicht mehr hören konnte.“ „Aussteigen heißt ja nichts weiter wie: Einsteigen. Einsteigen in was? Na in sich. Sich selber suchen.“ Eine Suche, die ihn äußerlich erheblich veränderte. In den 80er Jahren erlebte man ihn als zahnlosen langhaarigen Haschischguru wieder auf der Bühne und im Fernsehen. Aber ein Aussteiger blieb er, aus Überzeugung. Seinen kritischen Äußerungen tat das keinen Abbruch, sie wurden eher direkter: „Lieber ein grün gebrochenes Tabu als ein schwarz gekotztes Ehrenwort.“
Ausgangspunkt unseres kabarettistischen Streifzugs ist das Quartett 67 dem neben Neuss und Hüsch auch die Liedermacher Dieter Süverkrüp und Franz Josef Degenhardt angehörten, die in unserem Programm ebenfalls zu Gehör gebracht werden sollen.
Zurück zur Programmvorschau »
