30 Jahre Werkstattbühne - Fest
Einladung

das ist ein anlaß zum feiern. wir wollen am 10. dezember mit allen, die mich, uns in der arbeit begleitet haben, als schauspieler/innen techniker/innen, bühnen- und kostümbildner/innen, als kritiker/innen, als stammgäste feiern. also kommt alle. auch wenn ihr kein extra einladungsschreiben erhalten habt, kommt in scharen, auch wenn die kleine bühne aus den nähten platzt, kommt alle, ihr beleidigten leberwürste, die ihr im streit von mir, dem ekel, geschieden seid, ich stapele euch in der requisite und im bühnenbildlager, ich will abbitte bei euch leisten, kommt bitte, kommt alle, daß wir uns noch einmal anschauen und uns der alten zeiten erinnern und mit wehmut des abschüssigen weges gedenken, der vor jedem von uns liegt. wie waren wir doch alle voller leidenschaft in der verbesserung der welt, ich euch allen vorweg auf dem weg, den manche lauen und ängstliche nicht beschreiten wollten, noch heute nicht: die jungen sind heute schon so alt.

kommt alle, ihr lauen und ängstlichen und laßt uns zusammen verlachen das gesumse von frieden, freude, eierkuchen. wer kann da glauben, wer kann da lieben, wer kann da hoffen, wenn die welt nicht eine andere wird? packen wirs an, es gibt viel zu tun. kommt, fassen wir noch einmal kämpferischen mut für das, wofür diese kleine bühne steht, leistet widerstand der unterdrückung, der ausbeutung, der bigotterie, dem zeitgeist mit der gespaltenen zunge. fürchtet euch nicht vor kapitalistischen schreckgespenstern, kommt, immer ist geisterstunde, die herrschaft herrscht jeden tag, noch herrscht sie. wir sind stark, wir besiegen die bösen geister.

wir haben manches mal gutes, engagiertes theater gemacht, ich will es heute noch, nie gebe ich auf, niemals, immer bin ich voller ecken und kanten, ich werde nie rund, ich liebe das eckige und die kanten, da ist gut hobeln. und wenn michs müde in den sessel drückt, ich brauche euch, scheucht mich auf. die welt, wie sie ist, ist ein sauhaufen, den müssen wir auseinandertreiben. wie sollte ich ruhe geben.

laßt euch umarmen, ihr weggenossen, kommt. oh, ihr glanz- und höhepunkte der politisch-literarischen bühne: sic transit gloria mundi, dem mimen flicht die nachwelt keine kränze. wir sind voller lust und mut durch schwierige zeiten gegangen, immer sind die zeiten ja schwierig, gerade deshalb brauchts mut und ermunterung, die wir denen schaffen wollten und wollen, die mut und ermunterung brauchten und brauchen. kommt also, tretet mir zur seite. da capo, immer wieder da capo, immer wieder aufbruch und neuanfang im namen der zuschauer, unserer zuschauer.

kommt, ihr zuschauer, seid das salz der bühne, das wir manchmal vermissen, kommt alle. nein, bleibt lieber weg, wir haben nicht so viel platz.

kommt, 30 jahre gilt es zu feiern,

W.Schulz


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