Max Frisch: Biedermann und die Brandstifter
„Scherz ist die drittbeste Tarnung. Die zweitbeste: Sentimentalität. Aber die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit.“
(aus „Biedermann und die Brandstifter“)

Biedermann und die Brandstifter ist eine Burleske oder auch ein Lehrstück ohne Lehre, wie es der Schweizer Autor Max Frisch selbst betitelt hat. Das Stück wurde 1953 zunächst als Hörspiel gesendet und fünf Jahre später, am 29. März 1958, am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. Der Haarwasserfabrikant Gottlieb Biedermann beherbergt einen Hausierer auf seinem Dachboden. Er weiß wohl, dass Schmitz, der ehemalige Zirkus-Ringer, und dessen Kumpan Eisenring planen, auf dem Dachboden Feuer zu legen. Aber Biedermann ist zu willensschwach und zu feige, um sich dem Plan der Brandstiftung zu widersetzen. Sein eigener und der Untergang seiner Frau sowie die Zerstörung der ganzen Stadt liegen damit in seiner Verantwortung.
Trotz des vordergründig düsteren Themas ist Biedermann und die Brandstifter aber keineswegs eine Tragödie, sondern lebt von einer Mischung aus komischen und makaberen Elementen. Der Protagonist Biedermann geht auch nicht bewusst und aus freien Stücken seinem Untergang entgegen, sondern erleidet aus Unvermögen, Feigheit und Verblendung Schiffbruch. Das Stück ist damit ein Paradebeispiel für die politische Dummheit des Bürgers. Von allen Dramen Frischs ist Biedermann und die Brandstifter das knappeste und konsequenteste. Jegliche Abschweifungen, Exkurse oder persönliche Entwicklungen der Figuren werden vermieden. Die Biedermanns werden von Anfang an als feige Mitläufer dargestellt, die weder Fantasie noch Standhaftigkeit besitzen. Erst ihr bourgeoiser Opportunismus macht es möglich, dass die Brandstifter ohne große Mühe ihr brandgefährliches Ziel erreichen können. Frischs Lehrstück ohne Lehre deckt Missstände auf und zeigt die Notwendigkeit zur Änderung der Verhältnisse. Die Lösung, wie diese Änderung ausehen könnte, überlässt er allerdings seinen Zuschauern.

Über den Autor

Max Frisch, 1911 in Zürich geboren, studierte Germanistik und Architektur in Zürich. Er arbeitete zunächst als Journalist, später als freier Schriftsteller. Max Frisch hat ein großes literarisches Werk geschaffen, das mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde – unter anderem 1958 mit dem Georg-Büchner-Preis, 1976 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Max Frisch starb 1991 in Zürich.


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