Offene Zweierbeziehung
sonntagsumdrei
1. Lesung der Sommer-Saison 2011


Wolfgang Schulz liest aus:
"Der kommende Aufstand"


Es geht nicht mehr darum zu warten - auf einen Lichtblick, die Revolution, die atomare Apokalypse oder eine soziale Bewegung. Noch zu warten ist Wahnsinn. Die Katastrophe ist nicht das, was kommt, sondern das, was da ist. Wir befinden uns schon jetzt in der Untergangsbewegung einer Zivilisation. Das ist der Punkt, an dem man Partei ergreifen muss. Nicht mehr warten heißt, auf diese oder jene Weise in die aufständische Logik einzutreten. Es bedeutet, in der Stimme unserer Regierenden wieder das leichte Zittern des Entsetzens zu hören, das sie nie verlässt. Denn Regieren ist nie etwas anderes gewesen, als durch tausend geschickte Täuschungen den Moment hinauszuschieben, an dem die Menschenmenge einen hängen wird, und jede Regierungshandlung nur eine Art, nicht die Kontrolle über die Bevölkerung zu verlieren. Von einem Punkt extremer Isolation, extremer Ohnmacht brechen wir auf. An einem aufständischen Prozess ist alles noch aufzubauen. Nichts scheint unwahrscheinlicher als ein Aufstand, aber nichts ist notwendiger.
(aus: Unsichtbares Kommitee, Der kommende Aufstand, Hamburg 2010)

Anschließend Diskussion!


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