Siehda dada DA
1 Dadabend=Chaos+7 Erdumdrehungen+Tandaradei!

„Am Anfang war dada!
Was ist dada? Eine Kunst? Eine Philosophie? Eine Feuerversicherung?
Oder ist es gar nichts, d.h. alles?“

Die Frage: „Was ist Dada?“ ist undadaistisch und schülerhaft. Dada kann man nicht begreifen, Dada muss man erleben. Dada ist unmittelbar und selbstverständlich. „Dadaist ist man, wenn man lebt.
Dada ist weder Politik noch Kunstrichtung, es votiert weder für Menschlichkeit noch für Barbarei – es „hält den Krieg und den Frieden in seiner Toga, aber es entscheidet sich für den Cherry Brandy Flip.“ Dada ist der direkteste und lebendigste Ausdruck seiner Zeit, wendet sich gegen alles, was ihm obsolet, mumienhaft, festsitzend erscheint: Nimm und gib dich hin! Die Dada-Bewegung ist der totale Bruch mit der Vergangenheit, mit allen konservativen Auffassungen der Kunst, Musik und Literatur. Der totale Aufstand gegen alle Gewohnheiten, jeden Glauben und alle Vorrechte.

„Der Bürger, der sich am Sonntag für 20 Mark Kunst kauft, um am Alltag seinen verbrecherischen Fellhandel mit Vorteil weiter betreiben zu können, soll von Dada ermordet, abgemurkst, für immer
unschädlich gemacht werden.“ „Na also“, höre ich den Mann sagen, der gesichert im Sessel irgendeiner Weltanschauung sitzt, „Dada ist nur destruktiv!“
Der Dadaist ist ein Künstler, bei dem das Produkt nebensächlich ist. Er ist ein Geistesreisender, der immer neue Erfahrungen macht. Dass Dadaismus doch auch produktiv ist, zeigt der groteske Humor, der sich in den Gedichten und Bildern wieder findet. Auch die Ironie, die die Künstler in ihre Werke einfließen lassen, spricht für Präsenz von „Sinn im Unsinn.“ Was Dada ist, soll jeder für sich selber entscheiden!

Als Hugo Ball, Tristan Tzara, Marcel Janco, Hans Arp und Richard Huelsenbeck im Frühling des Jahres 1916 in Zürich den Dadaismus gründeten, wählten sie bewusst die banal klingende
Bezeichnung „Dada“. Die Bewegung machte ihren Weg auch über die Grenzen: Berlin-Dada, Hannover-Dada, Köln-Dada, Paris-Dada und New York-Dada.

Dada nahm Einfluss auf die moderne Kunst (u.a. Zufallskunst von Max Ernst) und heutige zeitgenössische Kunst (Ernst Jandl: „Ottos Mops“, der Song „Da da da“ von der Band „Trio“, Helge Schneider: „Lernen, Lernen, Popernen“) und moderne Performances im Bereich des Tanztheaters.

Textformen
Es ist die Zeit der Zufalls- und Lautgedichte. Das Leben erscheint als ein simultanes Gewirr von Geräuschen, Farben, und geistigen
Rhythmen, das in seiner gesamten Brutalität übernommen wird. Das „Dada-Simutangedicht“ spiegelt diese Eindrücke wieder: während Herr Schulze liest, fährt der Balkanzug über die Brücke bei Nisch, ein Schwein jammert im Keller des Schlächters Nuttke.
Theater
Hans Arp hatte einmal beschrieben, wie es ablief, wenn sie ihr Programm vollführten: „Tzara lässt sein Hinterteil hüpfen wie den Bauch einer orientalischen Tänzerin, Janco spielt auf einer unsichtbaren Geige und verneigt sich bis zur Erde. Frau Hennings mit einem Madonnengesicht versucht Spagat. Huelsenbeck schlägt dazu unaufhörlich die Kesselpauke,
während Ball, kreidebleich wie ein gediegenes Gespenst, ihn am Klavier begleitet.
Kostüme
Hugo Ball berichtet: „Meine Beine standen in einem Säulenrund aus blau glänzendem Karton, der mir schlank bis zur Hüfte reichte, so dass ich bis dahin wie ein Obelisk aussah. Darüber trug ich einen riesigen Mantelkragen, der innen mit Scharlach und außen mit Gold beklebt, am Halse derart zusammen gehalten war, dass ich ihn durch Heben und Senken der Ellenbogen flügelartig bewegen konnte. Dazu einen zylinderartigen, hohen, weiß und blau gestreiften Schamanenhut.“ Man musste ihn übrigens in dieser sperrigen Aufmachung in den Saal tragen, da er fast bewegungsunfähig war.
Malerei
„Der Unterschied zwischen Malen und Taschentücher bügeln wurde nicht mehr prinzipiell gemacht. Man behandelte das Malen als eine Verrichtung und erkannte den guten Maler daran, dass er seine Bilder nach telefonischen Angaben beim Tischler bestellte. Es handelte sich nicht mehr um Dinge, die zu sehen sind, sondern darum, wie sie in eine unmittelbare Funktion zu Menschen geraten können. Man gab aus seiner Welt…eine merkwürdige, bunte, wilde Auswahl, die man signierte. Die Neue Bücherschau München schrieb damals: „Zürich schenkte im Krieg der Welt den Dadaismus.“
Politik
Nach dem Krieg löste sich Dada in Zürich auf und verlagerte sich nach Berlin, wo die Bewegung in der revolutionären Situation der Nachkriegszeit einen politischen Charakter annahm. Man lehnte den Krieg als Fortsetzung imperialistischer Politik ab und sah die Entwicklung moderner Waffensysteme als eine perverse Parodie auf den technischen Fortschritt.

Und jetzt, fast 100 Jahre nach der Erfindung Dadas?

Die Zeit ist wieder dadareif!

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