Pressespiegel


Collage:
Wolfgang Schulz. Wer nicht kämpft,
hat schon verloren
Main-Post vom 18. April 2011

Befreit euch von den Fesseln des Systems

Sozialpolitisch gewichtiger Stoff: Premiere von "Wer nicht kämpft, hat schon verloren" in der Werkstattbühne 

Es fordert die Zuschauer, weniger ob der Collage-artigen Videoeinblendungen, Traumbilder, Visionen, in denen immer die Kritik am bestehenden Gesellschaftssystem und der Wille nach der Befreiung von seinen Fesseln deutlich werden. Sondern vor allem wegen manch (über-)lang geratener Szenen, die das Ganze zu einem Zweieinhalb-Stunden-Stück machen, das weder der Konzentration noch der besonderen Sitzsituation zuträglich ist. „Wer nicht kämpft, ...“ fordert aber auch die Mitwirkenden: Elisa Di Fronzo, Marina Gebert, Ana Maria López, Iris Schellhorn, Christina Strobel, Uwe Bergfelder, Stephan Ladnar, Julian Plutz, Stefan Schleibinger -, die zwischen verschiedenen Einzel- und Gruppenrollen mit synchronem Sprechen im Chor hin und her wechseln.


Nach der Video-Eingangsszene, dem wiederholt gezeigten Angriff auf die im Stück als „Sinnbild des Frevels“ bezeichneten Türme des World Trade Center in New York am 11. September 2001, treten die Akteure als Freiheitskämpfer der Geschichte und Dichter als deren Zeugen auf. Schulz schickt sie zunächst in die griechische Unterwelt, von wo sie zurückkehren, um sich gegen Ausbeutung und Unterdrückung aufzulehnen. RAF, so zeigt das Stück, war erst der Anfang des revolutionären Kampfes, der weitergeführt wird von der gewaltbereiten Jugend Europas, von Internetaktivisten wie Anonymous.

Benachteiligte unterdrückt

Der Blick ins Kaleidoskop offenbart – am Beispiel der in der Agentur für Arbeit wartenden Hartz-IV-ler – eindrucksvoll die Unterdrückung der Benachteiligten. Wer ist brauchbar, wer ist überflüssig – Alte, Kranke, Ausländer? – das sind die im Kapitalismus geltenden Kategorien, die das Stück anprangert. „Dem Volke alle Macht“ singen die „Partisanen der Zukunft“ am Schluss und entlassen die Zuschauer mit der Überzeugung, dass der Aufstand kommen muss. Für politisch Interessierte und Informierte eine – mit Einschränkung – gelungene Premiere. Das Stück steht bis Mitte Juni auf dem Spielplan der Werkstattbühne, Tel. (09 31) 5 94 00, Vorstellungen sind jeweils Mittwoch bis Sonntag, 20 Uhr.


VON: SABINE DÄHN-SIEGEL


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