Pressespiegel
Revue:
Siehda dada DA
Main-Post vom 6. Juli 2010
Da! Da! Da1
Premiere der Dada-Revue "Siehda dada Da" in der Werkstattbühne
Einen Dadaabend, gleichbedeutend mit Chaos plus sieben Erdumdrehungen plus Tandaradei!, verspricht die Würzburger Werkstattbühne mit ihrer Revue "Siehda dada DA". Die neue Produktion startete am Samstag mit einer gelungenen Premiere. Regisseurin Britta Schramm entfesselt in ihrem bewusst unverkopften Programm den Geist des Dada, der vor gut 90 Jahren die Kunstwelt mit den brachialen Kreativkräften seiner Anti-Kunst aufzumischen vermochte.
Dabei bleibt sie - und auch das ist Dada - nicht dabei, die Schöpfungen großer Dadaisten wie Hans Arp, Richard Hülsenbeck, Johannes Baader, Hugo Ball und Kurt Schwitters auf die Bühne zu bringen, sondern lässt spielen und neues entstehen - unter anderem durch vom Team frei erfundene Musikeinlagen und die Zuhilfenahme eines schwedischen Möbelhauskatalogs.
Dada wird an diesem Abend wieder zum Gesamtkunstwerk - die mit viel feinem Gespür und vitaler Ausdruckskraft rezitierten Texte bleiben nicht allein: Sie werden umschlungen von optischen Elementen, Licht und Ton, bis alles ein großes Konstrukt ist, in dem die Regeln des normalen Kulturbetriebs außer Kraft gesetzt sind. Eine Tour de Force, die mal anstrengt, mal mitreißt, mitunter auch mal nervt, um dann wieder zu begeistern. Leise, zarte Töne finden ihren Platz ebenso wie die ein oder andere lautstarke Kakophonie und urtümliche Rhythmen wie in Hugo Balls Karawane oder Karl Valentins Chinesen.
Die Schauspieler sprechen, flüstern, schreien, musizieren und gurgeln (!) nach Kräften. Hier wird Spielfreude spürbar, und eine lebendige, einfallsreiche Regie, die den Funken immer wieder überspringen lässt. Karin Amrhein, Ronja Herberich, Uwe Bergfelder, Harald Rauenbusch (im Wechsel mit Jan Ruf) und Jürgen Thürauf lassen ein Stückchen Dadaismus lebendig werden - anarchisch, sinnig-unsinnig und (auch fast 100 Jahre nach seiner Entstehung) immer noch ein klein wenig provokant. Dafür, dass das auch optisch klappt, sorgen das Bühnenbild von Deborah Kötting, der aufwendige und durchdachte Lichteinsatz von Sven Höhnke und Bernd Albrecht, vor allem aber die fantasievollen und sehr dadaesken Kostüme von Ursula Salomon. Ein Lehrstück für Germanisten ist dieser Dada-Abend in der Werkstattbühne nicht - und das soll er wohl auch nicht sein. Eine spannende Entdeckungsreise für Neugierige ist er allemal. Ganz gleich, ob Dada-Neuling oder altgedienter Anhänger: Neue Ansichten und Empfindungen des vermeintlich Alten sind hier garantiert zu finden.
VON: ULRIKE WOLF
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