Pressespiegel
Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ in der Werkstattbühne
Max Frisch:
Biedermann und die Brandstifter
Main-Post vom 22. Mai 2009
Passend zur Landeausstellung
In der Würzburger Residenz blickt die Bayerische Landesausstellung unter dem Motto "Wiederaufbau und Wirtschaftswunder" zurück auf die 50er Jahre. In nur 100 Meter Entfernung liefert die Würzburger Werkstattbühne mit "Biedermann und die Brandstifter" das dazu passende Theaterstück.
Die Burleske aus dem Jahr 1958 war der erste internationale Theatererfolg des Schweizers Max Frisch. Das Stück zählt inzwischen zu den "Klassikern der Moderne".
Einen klassischen Ansatz hat auch Cornelia Wagner für ihre Inszenierung in der Würzburger Werkstattbühne gewählt. Bühnenbild und Kostüme atmen den Geist der Nachkriegszeit: ein großbürgerliches Speisezimmer im Zentrum, rechts der Dachboden als Unterschlupf für die zunächst als Hausierer agierenden Brandstifter, links der Schreibtisch des Chorführers, der das Geschehen beobachtet und zusammen mit dem Chor immer wieder kommentiert.
Von Beginn an ist Haarwasserfabrikant Gottfried Biedermann der Anti-Held dieses "Lehrstücks ohne Lehre", ein vermeintlich moralisch integrer Bürger, der seine Prinzipien genau dann verrät, als es ernst wird. Joachim Vogt spielt ihn als zaudernden, handlungsschwachen Spießer, der durch Gutgläubigkeit und Hilfsbereitschaft die Katastrophe erst ermöglicht.
Auf ein so liebenswürdig-schmeichlerisches, kriecherisch-unterwürfiges Brandstifter-Duo wie den Ex-Ringer Schmitz und den Ex-Kellner Eisenring fällt man aber auch gerne herein. Harald Rauenbusch und Christof Stein sind das perfekte Gauner-Paar: Mit größtmöglicher Offenheit sprechen sie von ihren tödlichen Plänen, bereiten vor aller Augen ihre Brandstiftung vor und bitten den Hausherren sogar um die fehlenden Streichhölzer: Unaufhaltsam nimmt die Katastrophe ihren Lauf, kommentierend begleitet vom Chor, an dem neben den bereits Genannten abwechselnd auch alle anderen Ensemblemitglieder beteiligt sind: Dagmar Schmauß (als Babette Biedermann), Nikolai Gajewski, Stefanie Oswald, Horst Fuchs und Maria Mahfoud in der kleinen Rolle des Hausmädchens, die durch ihr dezentes, aber höchst eindringliches Spiel besonders hervorzuheben ist.
In kurzweiligen gut 90 Minuten geht das Stück temperamentvoll und unterhaltsam über die Bühne. Die Frage, ob es heute noch als Parabel auf das Versagen des Bürgertums vor totalitären Zumutungen taugt, kann die Inszenierung aber nicht wirklich beantworten.
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